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DER DRITTE ORDEN DES KARMEL TOCarm - johannes soreth

Mein Gott lebt, und ich stehe vor SEINEM Angesicht

Texte Islamischer Mystik
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Husain al-Halladsch

„ Was soll ich tun, o Moslems?
Ich kenne mich selbst nicht.
Ich bin nicht Christ, nicht Jude, nicht Parse, nicht Moslem.
Ich bin nicht vom Osten nicht vom Westen,
nicht vom Land, nicht von der See.
Ich bin nicht aus der Werkstatt der Natur,
nicht aus dem kreisenden Himmel
Ich bin nicht von Erde, nicht von Wasser,
nicht von Licht, nicht von Feuer.
Ich bin nicht von dieser Welt, nicht von der anderen,
nicht aus dem Paradies, nicht aus der Hölle.
Mein Ort ist das Ortlose, meine Spur das Spurlose,
ich habe weder Leib noch Seele,
denn ich gehöre der Seele dessen, den ich liebe.
Ich habe alle Zweiheit abgetan.
Ich habe geschaut, dass die zwei Welten eine sind.
Einen suche ich. Einen kenne ich.
Einen schaue ich, einen rufe ich.
Er ist der Erste. Er ist der Letzte.
Er ist der Äußerste. Er ist der Innerste.
Ich weiß nichts anderes als:  »O! Er, der ist!«
Ich bin vom Becher der Liebe berauscht.
Die Welten sind aus meinem Blick geschwunden.
O Gott der Götter und Herr der Herren!
Gib mir meine Seele zurück, damit deine Diener
nicht der Verführung verfallen durch mich.
O du, der du ich bist, du, der ich bin,
es ist kein Unterschied zwischen mir und dir
außer meiner Zeitlichkeit und deiner Ewigkeit.“

 

Dschalal-Ed-Din Rumi

„O sei mir nahe!
Du bist der Thronende und ich die Schwelle deiner Tür.
Wo aber sind der Thron und wo die Schwelle?
Wie können ich und du getrennt sein, du Geliebter?
O Seele, du bist frei von Ich und Du.
Du bist der Mann zugleich und auch die Frau.
Wo Mann und Frau sich einen, bist der Eine du.
Sind alle Ichs getilgt, so bist der Eine du.
Das Ich, das Wir erschufst du nur,
um selbst mit dir das Spiel zu feiern.
Es sollten Ich und Du zu einer Seele werden,
versinken endlich ganz in dir, o du Geliebter.

 

Abd al-quadir as-Sufi

„ Der Mensch ist das Auge des Universums,
mit dem sein Schöpfer Seine Schöpfung betrachtet. „

 

Husain al Halladsch

„ Man fragte ihn, ob ein Beschaulicher Zeit für sich übrig habe
Nein, sagte er, Zeit drückt den Zustand dessen aus,
der Erleuchtungszeiten bedarf; wer nun mit diesem Seinem Zustande sich nicht begnügen lassen kann,
ist ein Erkennender. Das heißt, man muss mit Muhammed sagen können: Ich habe Zeiten bei Gott, wo kein Engel,
ja kein Cherub mich fasst.“

 

Von Rabia ( 8. Jahrh.)

„ Einst wallfahrtete Rabia nach Mekka. Als sie die Kaaba erblickte, zu deren Verehrung sie gekommen war, sprach sie:
Ich bedarf des Herrn der Kaaba, was taugt mir die Kaaba ?
Ich bin so nah an ihn herangekommen, dass sein Wort:
Wer mir eine Spanne naht, dem nahe ich eine Elle von mir gilt – was soll mir noch die Kaaba ?“

 

Husain al Halladsch

„Man fragte ihn: welches ist der Weg zu Gott ?
Er antwortete: Ziehe beide Füße zurück, und bist du bei Ihm,
den einen aus diesem, den anderen aus dem anderen Leben.“

 

Husain  al-Halladsch 

„ Ich habe meinen Herrn mit dem Auge meines Herzens  gesehen.
Da sagte ich:  Wer bist du ?
Er sagte:  Ich bin Du. „

 

Baba Kuhi

Auf dem Markt, im Kloster- überall sah ich nichts
als ihn allein!
Im Tal und auf den Bergen-überall sah ich nichts
als ihn allein!
In Drangsalen sah ich ihn oft an meiner Seite, auch im Wohlsein und im Glück-ich sah nichts
als ihn allein!
Im Gebet und beim Fasten, beim Lobpreisen und in der Kontemplation, in der Religion der Propheten-ich sah nichts
als ihn allein!
Ich sah weder Seele noch Körper, noch Zufall, noch Wesen, weder Eigenschaften noch Ursachen-ich sah nichts
als ihn allein!
Ich bin in seinem Feuer geschmolzen gleich einer Kerze- mitten in den ausbrechenden Flammen sah ich nichts
als ihn allein!
Ich sah mich selbst deutlich mit meinen eigenen Augen, aber wenn ich mit seinen Augen schaute-sah ich nichts
als ihn allein!
Ich verging zu Nichts,ich verschwand dahin,und siehe:
Ich war das ALL-Lebende-und ich sah nichts als ihn allein. 

 

RUMI, Masnavi. 1. Buch

In meinem Herzen sind die Dinge,
                
Außen und Innen, alles Er
in meinem Körper
Blut und Adern,
und Geist und Sinnen, alles Er

Unglaube und Glauben, ihre Grenzen
 zerrinnen,
wo kein Raum mehr ist
in einem Dasein,
dessen Ende
 wie sein Beginnen:
Alles Er!             

 

 

 

Höre auf die Geschichte der Rohrflöte,
wie sie sich über die Trennung beklagt:
„ Seit ich aus dem Rohr geschnitten wurde, hat meine Klage
Mann und Frau zum Weinen gebracht.
Ich suche nach einer von der Trennung zerrissenen Brust,
der ich meinen Sehnsuchtsschmerz enthüllen kann.
Jeder, der weit vom Ursprung entfernt ist, sehnt sich
danach wieder mit ihm vereint zu sein.
Vor jeder Gemeinschaft in der Welt habe ich meine klagenden Noten gespielt, vor Unglücklichen und Glücklichen.
Jeder hat sich für meinen Freund gehalten,
keiner hat meine inneren Geheimnisse gesucht.
Mein Geheimnis ist nicht weit von meiner Klage entfernt,
doch es fehlt dem Auge und dem Ohr das Licht.
Der Körper wird nicht von der Seele verhüllt,
die Seele nicht vom Körper, doch niemand darf die Seele sehen.“
Diese Töne der Rohrflöte sind nicht aus Wind, sondern aus Feuer; wehe dem der dieses Feuer nicht besitzt.
Das Feuer der Liebe ist in der Flöte, die Glut der Liebe,
liegt im Wein.
Die Flöte ist der Freund all derer, die von ihrem Freunde getrennt wurden; ihre Melodien zerreißen unsere Schleier.
Hat man jemals ein Gift und ein Gegengift wie die Flöte gesehen?
Hat man je einen Verehrer und Liebenden wie sie gesehen?
Die Flöte erzählt von dem blutigen Pfad und berichtet
über Magnuns Leidenschaft.
Vertraut mit dem Sinn ist nur der Sinnenlose, die Zunge hat nur das Ohr zum Künden.
In unserem Leid sind die Tage vergangen, unsere Tage reisen Hand in Hand mit den brennenden Schmerzen.
Wenn unsere Tage auch vergehen, lasse sie ziehen, es macht nichts, mögest du nur bleiben, denn nichts ist heiliger als Du !
Nur ein Fisch wird nie von seinem Wasser satt;
Wer sein tägliches Brot nicht hat, findet den Tag lang.
Das Unreife kann den Zustand des Reifen nicht verstehen,
deshalb muss ich mich kurz fassen, lebe wohl !
O Sohn, sprenge deine Ketten und sei frei !
Wie lange willst du noch von Silber und Gold gefangen sein?
Wie kann ein Krug aufnehmen, wenn du das Meer in ihn füllst?
Einen Tagesvorrat.
Der Krug, das Auge des Begierigen, wird niemals voll;
Die Muschel wird erst mit Perlen gefüllt, wenn sie zufrieden ist.
Von Begierde und Unvollkommenheit wird nur gereinigt,
wem eine mächtige Liebe das Gewand zerrissen hat.
Heil dir, oh Liebe, du bringst uns Gewinn – du bist der Arzt
Für alle unsere Krankheiten,
die Medizin gegen unseren Hochmut und unsere Ruhmsucht.
Die Liebe ließ den irdischen Leib zum Himmel schweben,
der Berg begann zu tanzen und zerbarst.
Die Liebe inspirierte den Berg Sinai, O Liebender,
sodass Sinai trunken wurde und Moses ohnmächtig niederstürzte.
Wäre ich mit der Lippe meines Geliebten verbunden,
würde auch ich wie die Flöte alles erzählen.
Doch wer getrennt von dem ist, der seine Sprache spricht,
wird stumm, selbst wenn er hundert Lieder kennt.
Wenn die Rose vergangen und der Garten dahin ist,
kannst du die Geschichte der Nachtigall nicht mehr hören.
Der Geliebte ist alles, der Liebende nur ein Schleier;
der Geliebte lebt, der Liebende ist tot.
Um wen sich die Liebe nicht kümmert, der ist wie ein Vogel ohne Flügel; wehe dem Armen !
Wie könnte ich voraus oder zurück schauen, wäre nicht das Licht des Geliebten vor und hinter mir !
Die Liebe will, dass dieses Wort ausgesprochen wird;
Wie kommt es, dass der Spiegel nicht reflektiert ?
Weißt du warum der Spiegel deiner Seele
nichts widerspiegelt ?
Weil der Rost nicht von seiner Oberfläche entfernt wurde.
O meine Freunde hört diese Geschichte; in Wirklichkeit
Ist sie das Wesen unseres inneren Zustandes.