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DER DRITTE ORDEN DES KARMEL TOCarm - johannes soreth

Mein Gott lebt, und ich stehe vor SEINEM Angesicht

Die Regel
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REGEL DES ORDENS DER BRÜDER DER SELIGEN JUNGFRAU MARIA VOM BERGE KARMEL

Übergabe1. Albertus, von Gottes Gnaden bestellter Patriarch der Kirche von  Jerusalem, an die in Christus  geliebten Söhne B. und die übrigen  Eremiten, die unter seinem Gehorsam beim Brunnen auf  dem Berg  Karmel leben: Gruß im Herrn und des Heiligen Geistes Segen!   

2. Oftmals und auf vielfache Weise haben es die heiligen Väter gelehrt,  wie einer, welcher  Lebensform er auch angehört oder welche  gottgeweihte Lebensweise er gewählt hat, in der  Nachfolge Jesu  Christi leben und ihm mit reinem Herzen und gutem Gewissen treu  dienen  soll.  

3. Da ihr uns ersucht habt, euch eurem Vorhaben gemäß eine  Lebensregel zu geben, sollt ihr in  Zukunft folgendes beobachten:   

by Arie Trum, NL   

4. Als erstes bestimmen wir, dass ihr einen von euch als Prior haben  sollt, der durch die  einmütige Zustimmung aller oder des größeren  und verständigeren Teils zu diesem Amt  gewählt wird. Jeder von euch  soll ihm Gehorsam versprechen und bemüht sein, das  Versprochene  zugleich mit der Keuschheit und dem Verzicht auf Eigentum auch  tatsächlich zu  halten.   

5. Niederlassungen könnt ihr an einsamen Orten haben oder wo sie  euch geschenkt werden,  sofern sie für die Beobachtung eurer  religiösen Lebensweise passend und geeignet sind, so  wie es dem  Prior und den Brüdern förderlich zu sein scheint.   

. Je nach Lage des von euch gewählten Ortes soll jeder einzelne von  euch eine eigene,  abgesonderte Zelle haben, wie sie nach Anordnung  des Priors und mit Zustimmung der  übrigen Brüder oder des  verständigeren Teils einem jeden zugewiesen wird;   

7. jedoch so, dass ihr im gemeinsamen Refektorium das, was euch  gegeben wird, miteinander  genießt, wobei ihr eine Lesung aus der Hl.  Schrift hört, wo dies den Umständen entsprechend  beobachtet werden  kann.   

8. Außerdem ist es keinem Bruder ohne Erlaubnis des jeweiligen Priors  gestattet, die ihm  angewiesene Zelle zu wechseln oder mit einem  anderen zu tauschen.   

9. Die Zelle des Priors soll sich am Eingang der Niederlassung  befinden, damit er als erster  allen, die dorthin kommen, begegnen  kann und dann alles, was zu tun ist, nach seinem  Ermessen und auf  seine Anordnung hin geschehe.   

10. Jeder einzelne soll in seiner Zelle oder in ihrer Nähe bleiben, Tag  und Nacht das Wort des  Herrn meditierend und im Gebet wachend, es  sei denn, er ist mit anderen, wohlbegründeten  Tätigkeiten beschäftigt.   

11. Wer die kirchlichen Tagzeiten mit dem Klerus zu beten versteht, soll  sie entsprechend der  Anordnung der heiligen Väter und der von der  Kirche gutgeheißenen Gewohnheit beten. Wer  dies jedoch nicht kann,  bete zur Matutin fünfundzwanzig Vaterunser. Eine Ausnahme bilden   die Sonn- und Feiertage, für die wir die Verdoppelung dieser Zahl  anordnen, so dass also  fünfzig Vaterunser zu beten sind. Siebenmal  soll dieses Gebet zu den Laudes gebetet werden.  Zu jeder anderen  Tagzeit soll es ebenfalls siebenmal gebetet werden, ausgenommen zur   Vesper, bei der ihr es fünfzehnmal beten sollt.   

12. Keiner der Brüder soll etwas sein eigen nennen, sondern es sei  euch alles gemeinsam, und  einem jeden soll durch die Hand des  Priors, das heißt durch den Bruder, der von ihm mit  diesem Dienst  betraut ist, zugeteilt werden, was er braucht, unter Berücksichtigung  des Alters  und der notwendigen Bedürfnisse jedes einzelnen.  

13. Wenn es nötig ist, dürft ihr Esel oder Maultiere halten, ebenso einen  kleinen Bestand an Vieh  oder Geflügel.   

14. Ein Oratorium soll, soweit es die Verhältnisse erlauben, inmitten  der Zellen errichtet werden, in  dem ihr Tag für Tag frühmorgens  zusammenkommen sollt, um Eucharistie zu feiern, soweit es  die  Umstände erlauben.   

15. Besprecht an den Sonntagen oder, falls notwendig, auch an  anderen Tagen, die Beobachtung  euerer Lebensform und das  geistliche Wohl; dabei sollen auch Übertreibungen und Fehler der   Brüder, wenn solche bei jemandem wahrgenommen werden, in Liebe  korrigiert werden. 

16. Beobachtet das Fasten vom Fest Kreuzerhöhung bis zum Tag der  Auferstehung des Herrn an  jedem Tag, mit Ausnahme der Sonntage,  es sei denn, dass Krankheit, körperliche Schwäche  oder ein anderer  berechtigter Grund dazu rät, das Fasten aufzuheben, denn Not kennt  kein  Gebot.  

17. Enthaltet euch des Essens von Fleisch, außer es wird als Heilmittel  bei Krankheit oder  Schwäche gebraucht. Und weil ihr häufig betteln  müsst, wenn ihr unterwegs seid, könnt ihr,  um den Gastgebern nicht  zur Last zu fallen, außerhalb eurer Häuser gekochte Speisen mit   Fleisch zu euch nehmen. Aber auch ist es erlaubt, auf See Fleisch zu  essen.

18. Weil aber das Leben des Menschen auf Erden eine Prüfung ist und  alle, die in Christus ein  frommes Leben führen wollen, Verfolgung  leiden, euer Widersacher, der Teufel, zudem wie ein  reißender Löwe  umhergeht und sucht, wen er verschlingen kann, sollt ihr mit aller  Sorgfalt  eifrig bestrebt sein, die Waffenrüstung Gottes anzulegen,  damit ihr den Anschlägen des  Feindes widerstehen könnt.   

19. Zu gürten sind die Lenden mit dem Gürtel der Keuschheit; zu  wappnen ist die Brust mit  heiligen Gedanken, denn es steht  geschrieben: Ein heiliger Gedanke wird dich behüten.  Anzulegen ist  der Panzer der Gerechtigkeit, so dass ihr den Herrn, euren Gott aus  ganzem  Herzen und mit ganzer Seele und mit allen Kräften lieben  könnt und euren Nächsten wie euch  selbst. Bei allem muss der Schild  des Glaubens ergriffen werden, mit dem ihr alle feurigen  Geschosse  des Bösen auslöschen könnt, denn ohne Glauben ist es unmöglich,  Gott zu  gefallen. Auch der Helm des Heils ist aufzusetzen, damit ihr  allein vom Heiland euer Heil  erhofft, der sein Volk von seinen Sünden  erlöst. Das Schwert des Geistes aber, das ist das  Wort Gottes, wohne  mit seinem ganzen Reichtum in eurem Mund und in eurem Herzen, und   alles, was immer ihr zu tun habt, geschehe im Wort des Herrn.  

20. Ihr sollt irgendeine Arbeit verrichten, so dass der Teufel euch  immer beschäftigt findet und  nicht wegen eurer Untätigkeit einen  Zugang finden kann, um in eure Seele einzudringen.  Hierzu habt ihr  die Unterweisung und zugleich das Beispiel des heiligen Apostels  Paulus,  durch dessen Mund Christus gesprochen hat und der als  Verkünder und Lehrer der Völker im  Glauben und in der Wahrheit von  Gott bestellt und uns gegeben ist. Wenn ihr ihm folgt, könnt  ihr nicht  irregehen. „Tag und Nacht haben wir gearbeitet“, sagt er, „um keinem  von euch zur  Last zu fallen. Nicht als hätten wir keinen Anspruch auf  Unterhalt; wir wollten euch aber ein  Beispiel geben, damit ihr uns  nachahmen könnt. Denn als wir bei euch waren, haben wir euch  die  Regel eingeprägt: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Wir  hören aber, dass  einige von euch ein unordentliches Leben führen und  alles mögliche treiben, nur nicht  arbeiten. Wir ermahnen sie und  gebieten ihnen im Namen Jesu Christi, des Herrn, in Ruhe  ihrer Arbeit  nachzugehen und ihr selbstverdientes Brot zu essen.“ Dieser Weg ist  heilig und  gut, auf ihm müsst ihr gehen!   

21. Der Apostel aber empfiehlt das Schweigen, wenn er vorschreibt, in  Ruhe zu arbeiten, wie  auch der Prophet bezeugt: „Die Übung der  Gerechtigkeit ist das Schweigen.“ Und ferner: „Im  Schweigen und in  der Hoffnung liegt eure Stärke.“ Deshalb ordnen wir an, dass ihr nach  dem  Beten der Komplet das Schweigen halten sollt, bis die Prim des  folgenden Tages gebetet ist.  Wenn auch in der übrigen Zeit das  Schweigen nicht so sehr gewahrt zu werden braucht, hüte  man sich  dennoch sorgfältig vor Geschwätzigkeit, denn wie geschrieben steht  und nicht  minder die Erfahrung lehrt: „bei vielem Reden bleibt die  Sünde nicht aus“ und „Wer  unbedachtsam im Reden ist, dem ergeht  es übel.“ Sodann: „Wer viele Worte macht, schadet  seiner Seele.“ Und  der Herr selbst sagt im Evangelium: „Über jedes unnütze Wort, das die   Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichts Rechenschaft  ablegen müssen.“ Daher  wäge ein jeder seine Worte und zügle seine  Zunge, damit er nicht strauchle und durch seine  Rede zu Fall komme  und sein Fall unheilbar zum Tod führe. Mit dem Propheten achte jeder   auf seine Wege, damit er sich mit seiner Zunge nicht verfehle, und er  mühe sich sorgfältig und  gewissenhaft um das Schweigen, in dem die  Übung der Gerechtigkeit besteht.   

22. Du aber, Bruder B., und jeder, der nach dir als Prior eingesetzt wird,  erwägt stets im Geist und  befolgt in der Tat, was der Herr im  Evangelium sagt: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer  Diener  sein, und wer unter euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein.“   

23. Ihr übrigen Brüder aber, ehrt demütig euren Prior, indem ihr eher an  Christus denkt, der ihn  über euch gesetzt hat, als an ihn selbst, und  der zu den Vorstehern der Kirche gesagt hat:  „Wer euch hört, der hört  mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab“, damit ihr nicht wegen   Verachtung gerichtet werdet, sondern durch Gehorsam den Lohn des  ewigen Lebens verdient.   

24. Dies haben wir euch in Kürze geschrieben, um euch eine Regel zu  geben, nach der ihr leben  sollt. Will aber einer noch mehr tun, dann  wird es ihm der Herr selbst vergelten, wenn er  wiederkommt. Er  gebrauche jedoch die Unterscheidung, die die Richtschnur der Tugend  ist