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DER DRITTE ORDEN DES KARMEL TOCarm - johannes soreth

Mein Gott lebt, und ich stehe vor SEINEM Angesicht

Stilletag 07.03.15
[Kontemplation] [Übung] [über Kontemplation] [Texte zur Mystik] [Stilletag 19.03.16]

Texte vom Stilletag im Kardinal Hengsbach Haus in Essen 19. 03.2016, der von Klaus Kleffner und Reinhard Welp begleitet wurde. http://www.exerzitienreferat.de/gebet-in-der-stille.php

Wenn Sie mit uns in Kontakt bleiben oder kommen möchten, weitere Fragen haben oder Begleitung auf Ihrem Weg wünschen,
benutzen Sie gerne diesen link: reinhard.welp@tocarm.de

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Johannes vom Kreuz

DER WEG NACH HAUSE

Ich trat ein und wusst´ nicht wo, 
und blieb auch ohne Wissen, 
alles Wissen übersteigend. 

Wo ich eintrat, wusst´ ich nicht, 
Doch als ich mich dort gewahrte, 
ohne Kenntnis meiner Bleibe, 
hörte ich von großen Dingen. 
Was ich hörte, sag´ ich nicht. 
Blieb ich doch ganz ohne Wissen, 
alles Wissen übersteigend. 

Frieden war´s mit Gott und der Welt, 
wovon ich zutiefst erfuhr 
ganz allein in meinem Herzen. 
Klar ward mir der rechte Weg. 
Alles war so voll Geheimnis, 
dass ich nur noch stammeln konnte, 
alles Wissen übersteigend. 

Trunken war ich, wie von Sinnen, 
hingerissen, außer mir. 
Blieb dabei doch mein Empfinden 
jeglicher Empfindung bar. 
Und der Geist sah sich beschenket 
mit Verstehn, das nicht verstand, 
alles Wissen übersteigend. 

Jeder, der dorthin gelangt, 
wird ganz irre an sich selbst. 
Alles, was er vorher wusste, 
scheint ihm jetzt verschwindend klein. 
Und sein Wissen wächst so sehr, 
dass er ohne Wissen bleibt, 
alles Wissen übersteigend. 

Doch je höher man dort steigt, 
desto weniger versteht man, 
dass die dunkle Wolke kommt, 
um die Nacht uns zu erhellen. 
Wer sie kennt, die dunkle Wolke, 
der bleibt immer ohne Wissen, 
alles Wissen übersteigend. 

Dieses Wissen, das nicht weiß, 
ist von großer Mächtigkeit, 
und die Weisen können nie, 
denkend sich´s zu eigen machen. 
All ihr Wissen reicht nicht hin, 
nicht verstehend zu verstehen, 
alles Wissen übersteigend. 

Jenes allerhöchste Wissen 
ist so überhoch erhaben, 
dass kein Können und kein Wissen 
jemals es begreifen kann; 
nur wer selber sich besiegte 
durch ein Wissen, das nicht weiß, 
wird´s für immer übersteigen. 

Doch wer hören will, der höre: 
Dieses allerhöchste Wissen 
ist Empfinden hoch erhaben 
Gottes eig´ner Wesenheit; 
diese wirkt in ihrer Güte 
und lässt nicht verstehend bleiben, 
alles Wissen übersteigend. 

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Bede Griffiths

„Kontemplation ist das Erwachen zur Gegenwart Gottes im Herzen des Menschen und im uns umgebenden Universum. Kontemplation ist Erkenntnis im Zustand von Liebe.“

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Meister Eckehart (1260 -1329):

„Der Mensch soll sich nicht genügen lassen
an einem gedachten Gott;
denn wenn der Gedanke vergeht, so vergeht auch der Gott.
Man soll vielmehr einen wesenhaften Gott haben,
der weit erhaben ist über die Gedanken des Menschen
und aller Kreaturen.
Wer Gott so, d.h. im Sein, hat, der nimmt Gott göttlich
und dem leuchtet er in allen Dingen;
denn alle Dinge schmecken ihm nach Gott,
und Gottes Bild wird ihm aus allen Dingen sichtbar.
In ihm glänzt Gott alle Zeit,
in ihm vollzieht sich eine loslösende Abkehr
 und eine Einprägung seines geliebten gegenwärtigen Gottes.“

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Rumi:

Es gibt eine Kraft, die Dir das Leben schenkt – suche sie –
Im Inneren Deines Leibes ruht ein kostbarer Schatz – suche ihn –
Oh Wanderer, wenn du den großen Schatz zu finden trachtest sieh Dich nicht draußen um;
Blicke in dich hinein und suche ihn.

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Augustinus (Conf. X, 27)

Spät hab ich dich geliebt, du Schönheit, ewig alt und ewig neu, spät hab ich dich geliebt! Und sieh, bei mir drin warst du, und ich lief hinaus und suchte draußen dich … . Du warst bei mir und ich war nicht bei dir … . Du aber riefst und schriest und brachst mir meine Taubheit. Du blitztest, strahltest und verjagtest meine Blindheit. Du duftetest, und ich trank deinen Duft und atme nun in dir. Gekostet hab ich dich, nun hungre ich nach dir und dürste. Und du berührtest mich, ich aber glühte in Sehnsucht auf nach deinem Frieden.

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Teresa von Avila (1515 – 1582):

Möge heute überall Frieden sein. Mögest du Gott vertrauen, dass du genau dort bist, wo du vorgesehen bist zu sein. Mögest du dir der unendlichen Möglichkeiten gewahr sein, die durch den Glauben geboren werden. Mögest du jener Geschenke bedenken, die du erhalten hast und die Liebe weiterleiten, die dir gegeben wurde. Mögest du in Zufriedenheit wissen, dass du ein Kind Gottes bist. Lass diese Gewissheit mit tiefen Atemzügen bis in deine Knochen dringen und dort ihren Platz finden und erlaube deiner Seele die Freiheit zu singen, zu tanzen, zu loben und preisen und zu lieben. All dies ist da für jeden und jede von uns.

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Johannes, 4,23 f

„Es kommt die Zeit, und sie ist schon jetzt,
in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden
im Geist und in der Wahrheit.
Gott ist Geist, und die ihn anbeten,
die werden ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“

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Augustinus (Conf. X, 6)

Ich liebe dich, Herr; ich zweifle nicht daran, ich liebe dich mit vollem, hellem Wissen. Mit deinem Wort hast du mein Herz getroffen, und ich liebte dich. Und auch Himmel und Erde und alles, was sie füllt, das alles sagt mir, dass ich dich lieben soll, und hört nicht auf, es allen zu sagen, …

Was aber liebe ich, da ich dich liebe? Nicht Körperschönheit und nicht Glanz der Welt, nicht strahlend helles Licht des Tages, was dem Auge so lieb ist; nicht süße Melodien formenreicher Lieder, nicht Wohlgeruch der Blumen, Salben und der Spezereien; nicht Manna und nicht Honig; nicht Leibesanmut, die zu umarmen unser Fleisch sich sehnt. Das alles ist's nicht, was ich liebe, wenn ich dich liebe, meinen Gott. Und doch lieb ich dich, als wärst du Licht und Melodie und Wohlgeruch und Speise und Umarmung, wenn ich dich liebe, du mein Gott, du Licht und Melodie und Wohlgeruch und Speise und Umarmung meines innern Menschen! Dort drin in meiner Seele strahlt ein Licht, das keine Welt fasst, dort klingen Melodien, die keine Zeit verschlingt, dort duften Wohlgerüche, die kein Wind verweht, dort schmecken Speisen, deren keine Sattheit satt wird, dort lacht ein Glück vereinter Liebe, dem ein Überdruss nicht folgt. Das ist es, was ich liebe, lieb ich meinen Gott. (Conf. X, 6)